Wissenstransfer bei Fluktuation

07.03.2025  — Von Eva Haas-Betzwieser. Quelle: Verlag Dashöfer GmbH

Eva Haas-Betzwieser: »Wissenstransfer bei Fluktuation« (In: Erfolgreiches Management von Bibliotheken und Informationseinrichtungen, hrsg. von Prof. Cornelia VonhofProf. Dr. Konrad Umlauf, Auflage 88, Hamburg: Verlag Dashöfer 2025, Abschn. 4.10.1)

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4.10.1.0 Literaturempfehlungen zum Wissenstransfer

Deller, Jürgen; Kern, Stefanie; Hausmann, Esther; Diederichs, Yvonne: Personalmanagement im demografischen Wandel – Ein Handbuch für den Veränderungsprozess“. Kapitel 7.6 „Handlungsfeld Wissensmanagement“. Heidelberg: Springer Medizin Verlag. 2008

Erlach, Christine; Orians, Wolfgang; Reisach, Ulrike: Wissenstransfer bei Fach- und Führungskräftewechsel. München: Carl Hanser Verlag 2013

Gebler, Christine: Aus der agilen Methodenkiste: Wissenstransfer als „Stellen-Navi“. Forum agile Verwaltung: Beitrag vom 13.9.2018 Aus der agilen Methodenkiste: Wissenstransfer als „Stellen-Navi“ – Agile Verwaltung (agile-verwaltung.org) – Abruf: 11.4.2024

Grames, Patrick Philipp: Wissenstransfer in Organisationen: Entwicklung eines Methodenkonzepts des Wissensmanagements zur Sicherung von Erfahrungswissen, zur Vermeidung von Wissensverlusten und zur Einarbeitung neuer Mitarbeiter. München: Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg 2020 https://doi.org/10.24405/8845

Hartmann, Babett: „Wissenstransfer – Ein Qualitätsmodell für den Führungswechsel in Bibliotheken“. Berlin: BibSpider 2009

Keindl, Klemens: Wie Wissenstransfer beim Wechsel von Beschäftigten funktionieren kann – ein Praxisbeispiel aus einer Berliner Behörde und allgemeine Empfehlungen. Forum agile Verwaltung: Beitrag vom 5.10.2023 Wie Wissenstransfer beim Wechsel von Beschäftigten funktionieren kann –ein Praxisbeispiel aus einer Berliner Behörde und allgemeine Empfehlungen – Agile Verwaltung (agile-verwaltung.org) – Abruf: 11.4.2024

Mittelmann, Angelika: Werkzeugkasten Wissensmanagement. Norderstedt: Books on Demand GmbH 2011

Pawlowsky, Peter: Wissensmanagement. Berlin/Boston: Walter de Gruyter GmbH 2019

Wissensbilanz – Made in Gemany. Leitfaden 2.0 zur Erstellung einer Wissensbilanz. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (Hrsg.): Berlin 2013 – Leitfaden_2.0_Wissensbilanz_Stand_Nov2013-1.pdf (fraunhofer.de) – Abruf: 10.4.2024

Wissenstransfer in Unternehmen – so bleibt wertvolles Wissen erhalten. TÜV Nord: Beitrag vom 17.7.2023 Wissenstransfer in Unternehmen – Ratgeber | TÜV NORD (tuev-nord.de) – Abruf: 10.4.2024

4.10.1.1 Ausgangslage für das Wissenstransfer

Immer mehr Kolleginnen und Kollegen der Babyboomer-Generation werden in den schwer ersetzbares Erfahrungswissenkommenden Jahren von der beruflichen Bühne abtreten und dabei schwer ersetzbares Erfahrungswissen mitnehmen. Damit wird es zunehmend wichtiger, sich darüber Gedanken zu machen, wie dieses Wissen für die Bibliothek oder Informationseinrichtung erhalten werden kann.

4.10.1.2 Einleitung in das Wissenstransfer

Insbesondere im Dienstleistungsbereich ist die Bedeutung des Wissenstransfers Humankapitalhervorzuheben. Denn deren Erfolge basieren weitgehend auf dem Humankapital ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dazu zählen Praxiserfahrung, in Fortbildungen erworbenes Wissen, wertvolle Beziehungen zu Benutzenden und Partnern Wissensschatz an Personen gebundensowie die Kenntnis effizienter Prozessgestaltung. Dieser Wissensschatz ist dadurch gekennzeichnet, dass er an Personen gebunden ist, deren Kompetenzen mit dem Weggang verschwinden.

GründeWeitere Gründe, für eine geplante Weitergabe von Wissen und Erfahrung beim Ausscheiden von Beschäftigten zu sorgen, sind:

  • Das Dokumentieren von Erfahrungswissen sorgt dafür, dass relevantes Know-how und Fachwissen in der Einrichtung erhalten bleibt.

  • Es sichert eine zügigere Einarbeitung nachfolgender Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

  • Der Austausch und das Zusammenspiel von Praxiswissen langjährig Beschäftigter und neuem Fachwissen der nachrückenden Generation fördert Kreativität und Innovation.

  • Durch die Wertschätzung des vorhandenen Erfahrungswissens bleiben die ausscheidenden Kolleg:innen bis zuletzt motiviert und dem Team verbunden.

Definition

Unter Wissen sind in diesem Zusammenhang alle Kenntnisse und Fähigkeiten zu verstehen, die sich die Beschäftigten während ihres Berufslebens angeeignet haben. Dazu zählt Fachwissen, wie das Erfassen von Metadaten, als auch praktisches Erfahrungswissen, beispielsweise Recherchestrategien bei der Beantwortung komplexer Anfragen. Während sich explizites, also allgemein zugängliches Fachwissen, auch von Außenstehenden abrufen lässt, ist implizites, an Personen gebundenes Erfahrungswissen, darauf angewiesen, dass es von den Personen, die darüber verfügen, an andere weitergegeben wird.

4.10.1.3 Der Kreislauf des Wissens

Auf operativer Ebene lässt sich der Wissenstransfer ausscheidender Mitarbeitender im PDCA-ZyklusSinne eines Qualitätskreislaufs mit den Phasen Plan, Do, Check, Act, auch PDCA-Zyklus genannt, vorbereiten und realisieren. Während in den Phasen Plan und Do die bisherigen Stelleninhaber:innen aktiv eingebunden werden, sind in den Phasen Check und Act die Nachfolger:innen sowie die bleibenden Kolleg:innen und Führungskräfte gefragt.

4.10.1.3.1 Plan

Als ersten Schritt in der Planungsphase gilt es, sich anhand von Fluktuationslisten einen Überblick zu verschaffen, welche Kolleginnen und Kollegen in naher Zukunft in den kommenden fünf Jahrenaltersbedingt ausscheiden. Dazu sollte idealerweise die Entwicklung in den kommenden fünf Jahren betrachtet werden. Die Listen geben Auskunft darüber, für wen die Phase des Wissenstransfers in den letzten Berufsjahren beginnt. Zudem steht die Anzahl der Ausscheidenden sowie deren Wirkungsbereich fest. Gleichzeitig deutet sie auf die am stärksten von Fluktuation betroffenen Arbeitsbereiche hin und damit auf die Art des zu sichernden Wissens. Geht es beispielsweise darum, hoch spezialisiertes Wissen zu sichern, das sich möglicherweise bei einer Person bündelt? Typisch hierfür sind strategische Planungsprozesse und konzeptionelles Arbeiten. Oder geht es um das Ausscheiden von Personen, die stark regelbasiert arbeiten, da sie beispielsweise überwiegend katalogisieren?

Ziele und Zielgruppen bestimmen

Zunächst sind die Ziele für den Wissenstransfer festzuhalten. Was ist beabsichtigt? Soll das Arbeitsgebiet unverändert wiederbesetzt werden? Oder reicht es möglicherweise aus, einen Auszug des Arbeitsgebiets zu erfassen? Daraufhin sind folgende W-Fragen zu beantworten:

  • Was? Welche Inhalte sind weiterzugeben?

  • Wer? Welche Zielgruppe, welche Personen benötigen das Wissen?

  • Wann? Welcher Zeitrahmen ist für die Aufnahme des relevanten Wissens zu setzen.

Personen für die WissensaufnahmeNeben der Zielgruppe sind die zu beteiligenden Personen und Gruppen für die Wissensaufnahme zu ermitteln. Dazu zählen insbesondere:

  • die Stelleninhaberin, der Stelleninhaber,

  • deren Vorgesetzte,

  • Kolleg:innen aus deren Team sowie

  • aus Teams, die für die Zusammenarbeit relevant sind, und

  • bei Bedarf neutrale moderierende Personen.

Methode auswählen

Die für das konkrete Arbeitsgebiet geeignete Methode ist zu bestimmen. Möglich ist ein Mix mehrerer Methoden. Hier finden Sie eine Auswahl an geeigneten Methoden, die im Abschnitt 4.10.1.3.2 konkretisiert werden:

  • Prozessbeschreibungen aktualisieren,

  • Wissenslandkarte erstellen,

  • Erlebniswissen erzählen (Storytelling),

  • Strukturierte Befragung durchführen,

  • „Fragen und Antworten“-Datei aufbauen,

  • Workshop mit allen Beteiligten moderieren.

Dokumentation vorbereiten

Zeitrahmen

Der Zeitrahmen ist so zu wählen, dass alle wesentlichen Aktivitäten, die innerhalb eines Jahres vorkommen können, berücksichtigt werden.

Am besten startet der Wissenstransfer ein Jahr vor dem Ausscheiden. Denn oft erfolgt der Ausstieg schon weit vor dem letzten offiziellen Arbeitstag. Gründe dafür sind, dass der Resturlaub genommen wird oder Plusstunden abgebaut werden. Auch Ungeplantes, wie Erkrankungen, sind zu berücksichtigen.

Um das Wissen zielgenau weiterzugeben, sind Dokumentationen des Erhobenen für verschiedene Zwecke und Zielgruppen vorzubereiten und aufzubauen.

  • Für eine große Gruppe innerhalb der Mitarbeiterschaft reichen allgemeine Hinweise und Handreichungen zum Arbeitsgebiet. Dazu zählen auch die Fundstellen zu (elektronischen) Formularen.

  • Wichtige Informationen über aktuelle und kommende Ereignisse sind für die Personen relevant, die das Arbeitsgebiet während einer möglichen Vakanz vertreten. Diese beinhalten unter anderem Termine, Kontakte sowie einen Einblick in das elektronische und analoge Ablagesystem.

  • Die Nachfolge erhält zusätzlich einen Überblick über Ziele und Inhalte des Aufgabengebiets, Tipps und Tricks sowie wichtige Prozesse als Hilfestellung.

Zu überlegen ist, wie diese Dokumentation systematisch und nutzerfreundlich aufbereitet werden kann und wo sie in idealer Weise veröffentlicht wird. Unter 4.10.1.3.2 sind beispielhaft folgende Darstellungsoptionen beschrieben.

  • das Wissen als Erzählung visualisieren,

  • ein Wissens-Canvas,

  • eine Wissens-MindMap.

4.10.1.3.2 Do

Wissensstaffette

Für einen Wissenstransfer optimal wäre, die ausscheidende Person und ihre Nachfolge könnten über einen begrenzten Zeitraum zusammenarbeiten. Ideal wäre, zwei bis drei Monate als Tandem miteinander zu arbeiten, um den Nachfolgenden in einer Art Job-Shadowing das Arbeitsgebiet nahe zu bringen. Dies ist im Öffentlichen Dienst nur in seltenen Fällen zu verwirklichen. Oft entstehen in der Realität sogar zeitliche Lücken bis zur Nachbesetzung. Insofern sind andere Möglichkeiten für den Wissenstransfer zu suchen und in diesem Beitrag beschrieben.

Vor dem Start ist zu beachten:

  • Führungskräfte der mittleren Führungsebene, die häufig in das operative Geschäft mit eingebunden sind, sind für die Dokumentation des Wissens freizustellen.

  • Sicherzustellen ist, dass Außenstehende das auf diese Weise sichtbare Geleistete nicht bewerten.

  • Wichtig ist, Wissenslücken zu erkennen, die durch den Weggang entstehen können.

Systematisch ist das Wissen mit einer oder mehrerer der folgenden Methoden zu erheben.

Prozessbeschreibungen aktualisieren

  • Liegen Prozessbeschreibungen vor, ist der Weggang von Kolleg:innen eine gute Gelegenheit, diese zu aktualisieren oder neue zu erstellen. Abbildung 1 zeigt ein Muster für eine verbale Prozessbeschreibung.

  • FragestellungenProzessbeschreibungen orientieren sich an Fragestellungen, die auch für Nachfolgende bedeutend sind: Wodurch wird der Prozess ausgelöst? Welche Prozessschritte folgen in welcher Reihenfolge? Welches Ergebnis steht am Ende des Prozesses?

  • Darzustellen ist, ob der eigene Arbeitsbereich für alle Prozessschritte zuständig ist weitere Personen beteiligtoder weitere Personen und Abteilungen beteiligt sind, welche Hilfsmittel und Arbeitsanweisungen genutzt werden und wie oft der einzelne Prozess vorkommt.

  • Es gibt Stelleninhaber:innen, die in vielen Prozessen tätig sind. In diesen Fällen ist zu priorisieren, was tatsächlich zu erheben ist. Empfohlen wird, sich dabei auf etwa drei bis fünf der wichtigsten Prozesse zu konzentrieren.

  • Vorteil dieser Methode ist, dass auf ein vorhandenes Schema aufgebaut werden kann, was den Aufwand reduziert.

  • Nachteilig kann sein, dass damit auch Schwachstellen in den Prozessen fortgeführt werden.

Abb. 1 Muster einer Prozessbeschreibung

Wissenslandkarte erstellen

  • Die Wissenslandkarte ermöglicht einen ersten visualisierten Überblick über zu transferierendes Wissen.

  • Für deren Aufbau sammeln und clustern die Stelleninhaber:innen wesentliche Eckpunkte ihres Arbeitsgebietes.

  • Eckpunkte sind beispielsweise die Ziele des Aufgabengebietes, die Kernaufgaben einschließlich beteiligter Stellen, wichtige Termine und Kontakte, Informationsquellen, Tipps und Tricks.

  • Darstellen lässt sich die Wissenslandkarte in Form einer MindMap oder eines Canvas. Beide Instrumente eignen sich dazu, die Eckpunkte zu verfeinern.

  • Von Vorteil ist die geringe Hemmschwelle durch ein erstes Brainstorming. Zudem wird implizites Wissen der Stelleninhaber:innen, also Wissen, das mit ihrer Person verbunden ist, freigesetzt. Gleichzeitig dient eine Wissenslandkarte als erste Bestandsaufnahme weiterzugebenden Wissens.

  • Nachteilig kann die subjektive Wahrnehmung der Stelleninhaber:innen sein. Zudem lässt sich damit nicht das gesamte Erfahrungswissen abbilden.

Erlebniswissen erzählen (Storytelling)

  • Verfeinert werden kann die Wissenslandkarte, indem die ausscheidenden Kolleg:innen ihr Arbeitsgebiet mittels Storytelling darstellen.

  • Dabei werden in Form einer Geschichte praktische Ereignisse und Erlebnisse mündlich erzählt, schriftlich beschrieben oder zeichnerisch visualisiert.

  • Es erfordert eine erzählende Person und eine oder mehrere zuhörende, lesende oder betrachtende Personen.

  • Vorteile: Storytelling erzeugt Aufmerksamkeit, transportiert eine persönliche Botschaft und zielt zugleich auf Herz und Verstand.

  • Nachteil: Es erfordert Übung und die Fähigkeit, aus einem Ereignis eine interessante Geschichte zu machen.

Strukturierte Befragung durchführen

Beispiel

Entwicklung des Projektmanagements erzählen:

Wie sahen die ersten Formulare aus, um ein Projekt zu beschreiben? Wie wurde diese Verfahrensweise von den Projektideengebenden aufgenommen? Was hat zu Veränderungen geführt und wie ist der Stand heute?

  • Es ist herausfordernd, an implizite Wissensbestände zu kommen. Beispielsweise, wer ist zu informieren, wenn sich eine Rechnungsprüfung angekündigt hat? Das passende Vorgehen ist auch erfahrenen Kolleg:innen nicht immer oder nur lückenhaft bewusst.

  • Zu empfehlen ist in solchen Fällen, durch strukturierte Befragungen wichtige Erkenntnisse sichtbar zu machen.

  • Fragebogen oder InterviewErmöglicht werden kann das mittels eines schriftlichen Fragebogens oder über persönliche Interviews, die schriftlich oder in Form einer Ton- bzw. Videoaufnahme dokumentiert werden.

  • Die Themen der Befragung ähneln den Eckpunkten der Wissenslandkarte, wie Ziele und Auftrag des Aufgabengebietes.

  • Die Befragung kann durch die Beschreibung konkreter Prozesse oder das Beobachten der Arbeitsprozesse durch Außenstehende verfeinert werden.

  • Vorteile: Bei Unsicherheiten kann nachgefragt werden. Ist ein Fragengerüst einmal aufgebaut, kann es jederzeit wiederverwendet und bedarfsgerecht angepasst werden.

  • Nachteilig kann sein, dass durch ein vorgegebenes Fragenraster wichtige Erfahrungen verborgen bleiben.

„Fragen und Antworten“-Datei aufbauen

  • Bei dieser Methode beschreibt die ausscheidende Person anhand praktischer Fälle mögliche Lösungen.

  • Idealerweise fängt sie damit spätestens ein halbes Jahr vor dem tatsächlichen Datum des Ausscheidens an.

  • Um eine Struktur zu finden, ist es empfehlenswert mit Anfragen aus dem beruflichen Alltag zu starten.

  • Aus jeder Anfrage wird eine Frage mit dazugehöriger Antwort im Sinne einer Fragen-Antworten-Liste erstellt.

  • Hilfreich ist es, wenn neben den Anfragen Außenstehender auch Kolleg:innen aus der eigenen Organisationseinheit um Erklärungen bitten.

  • Bei jeder Anforderung wird der Weg von der Anfrage bis zur Lösung und zum Ergebnis dokumentiert.

  • Nach Sammlung etlicher Fragen und Antworten gilt es, diese thematisch zu clustern und aufzubereiten.

  • Vorteilhaft ist, dass über einen längeren Zeitraum praktische Fälle gesammelt werden können, die ein Abbild des Arbeitsgebietes abgeben.

  • Nachteilig an der Methode ist, dass sie die Stelleninhaber:innen zeitlich bindet, während sie noch voll in ihr Arbeitsgebiet eingebunden sind.

Workshop mit allen Beteiligten moderieren

  • Wenn es sich um ein Arbeitsgebiet handelt, in das ein ganzes Team mit eingebunden ist, ist es ratsam, gemeinsam mit dem Team sowie der Führungskraft das Arbeitsgebiet zu beschreiben.

  • Idealerweise geschieht dies mithilfe eines extern moderierten Workshops.

  • Er eignet sich insbesondere für stark von Fluktuation betroffene Bereiche.

  • Teilnehmen sollten etwa fünf bis sieben Beschäftigte, die zentrale Tätigkeiten des Bereichs repräsentieren.

  • FragestellungenFragestellungen können hierbei sein: Welches Wissen benötigt die Gruppe von der Person, die geht? Welches Wissen möchte die ausscheidende Person an die verbleibenden Kolleginnen weitergeben?

  • RollentauschEin Perspektivwechsel durch Rollentausch fokussiert auf das relevante Wissen: Die Gruppe der Bleibenden erarbeitet, was die Gehenden an Wissen dalassen sollen. Die Gruppe der Gehenden erarbeitet, was die Gruppe der Bleibenden benötigt. Anhand der Überlappungen lassen sich Schwerpunkte herauskristallisieren.

  • Vorteile: Mit der Einbeziehung des Teams lässt sich „Schwarmwissen“ nutzen. Die Gruppe lernt für sich und kann nebenbei neue Ideen generieren. Bei Unsicherheiten können die Gruppenmitglieder nachfragen.

  • Nachteile: Einen Termin für das gesamte Team und eine geeignete Person für die Moderation zu finden, kann sich als schwierig herausstellen.

Onboarding

Um den Wissenstransfer erfolgreich abzuschließen, ist es wichtig, diesen mit dem Einführungsmanagement bzw. onboarding zu verbinden. Insbesondere bei Stellen mit wenig regelbasierten Tätigkeiten ist die Wissensweitergabe erst nach Einführung in die wesentlichen Basisinformationen des Arbeitsplatzes sinnvoll. Optimal ist, wenn die Einführung durch eine Person begleitet wird, die mündlich auf praktische Fragen des Arbeitsbereichs antworten kann.

Darstellung

Eine systematische und nutzerfreundliche Aufbereitung des erhobenen Wissens ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für den Wissenstransfer. Hierzu einige Beispiele:

Visualisierung der Story

komplexes WissenStorytelling eignet sich dafür, komplexes Wissen greifbar zu machen. Dazu wird eine erlebte Geschichte erzählt und bewusst eine symbolhafte Rhetorik eingesetzt. Damit bietet sich Storytelling ideal dafür an, das Erzählte graphisch zu visualisieren.

Abbildung 2 zeigt die Visualisierung der Geschichte, wie die Richtlinien für das Projektmanagement weiterentwickelt werden können.

Wissens-MindMap

Mittels MindMap werden die Eckpunkte, die das Arbeitsgebiet skizzieren, visualisiert. Ausgehend von der obersten Gliederungsebene, beispielsweise Projektmanagement, werden dazugehörige Unterpunkte, wie Projektphasen, Projektstruktur etc. wie Verzweigungen dargestellt, denen weitere Unterpunkte als Verästelungen folgen können. Siehe hierzu Abbildung 3. Durch die Struktur der Verästelungen gelingt es, deren Beziehungen untereinander begreifbar zu machen.

Wissens-Canvas

Während beim MindMapping die Struktur von den Beteiligten im Laufe des Brainstormings erschaffen wird, stellt ein Canvas ein vorstrukturiertes Plakatvorstrukturiertes Plakat dar, in dem die einzelnen Gliederungspunkte konkretisiert werden. Damit wird gewährleistet, dass zentrale Faktoren und Aspekte des Arbeitsgebietes berücksichtigt werden. Sie werden in dem Plakat definiert, bei Bedarf visualisiert und dokumentiert.

In Abbildung 4 ist dargestellt, wie die Rolle der Leitung eines Projektmanagement-Büros aussieht.

Kommunikation

Damit das Aufgenommene tatsächlich bei der Zielgruppe ankommenbei der Zielgruppe ankommt, ist genau zu überlegen, wo es idealerweise veröffentlicht wird.

  • Eine Ablage auf einem intern öffentlichen Pfad bietet sich an.

  • Zudem kann das Intranet für die Veröffentlichung genutzt werden.

4.10.1.3.3 Check

Lehren lassen sich aus jedem Wissenstransferprojekt ziehen. Insofern ist es sinnvoll, sich schon während des laufenden Prozesses Gedanken zu machen, wie dieser überprüft werden kann. Damit soll eine permanente Verbesserung des Prozesses garantiert werden. Für die Überprüfung sind diejenigen zuständig, die regelmäßig Prozesse dieser Art begleiten.

Vorherrschende Fragestellungen sind:

  • Ist das zu übergebende Wissen verständlich?

  • Ist das Erhobene auch das, was aktuell ist und noch weitergeführt werden soll?

  • Waren die eingesetzten Methoden geeignet, das Ziel zu erreichen?

  • Ist es mit dem Prozess des Wissenstransfers gelungen, die Nachfolge gut in das Arbeitsgebiet einzuführen?

Zum Überprüfen eignen sich verschiedene Methoden:

  • Quantitative und qualitative Befragung der Nachfolgerin bzw. des Nachfolgers, der zuständigen Führungskraft sowie der verbleibenden Teammitglieder. Für die Befragung kann ein standardisierter Fragebogen entworfen werden oder sie wird per Interview durch eine neutrale Person durchgeführt.

  • Die Beobachtung, wie gut und zügig sich die Nachfolge einarbeiten konnte. Das wird in Einarbeitungsgesprächen sowie in der Beurteilung der Probezeit durch die Vorgesetzten festgestellt.

  • Registrieren der Quote der Fehler, die eindeutig durch mangelhafte Einarbeitungshilfen verursacht wurden. Dies können diejenigen beurteilen, die auf korrekte Arbeitsergebnisse der neu eingestellten Person angewiesen sind.

4.10.1.3.4 Act

Aus dem Ergebnis der Überprüfung lassen sich entsprechende Maßnahmen ableiten.

Beispiele sind:

  • Aufbau eines standardisierten Fragebogens, der etwa ein Jahr vor dem geplanten Austritt den betroffenen Kolleg:innen zum Ausfüllen gereicht wird.

  • Erstellen einer Checkliste für Vorgesetzte und betroffene Teammitglieder, in der wichtige Punkte notiert werden, wie sie das Ausscheiden begleiten können.

  • Entwickeln eines Standards für Wissenslandkarten oder Canvases.

4.10.1.4 Fazit

Wissen ist vergänglich und schnell flüchtig. Regeln und Abläufe ändern sich. Was gestern noch aktuell war, kann heute schon veraltet sein. Das wirkt sich umso stärker aus, je länger eine Stelle unbesetzt bleibt.

MomentaufnahmeInsofern ist die Aufnahme von Wissen stets eine Momentaufnahme. Der Wissenstransfer erleichtert den Neuen das Kennenlernen des Arbeitsgebietes und nicht unkritischhilft bei der Einarbeitung. Die Inhalte sollten aber nicht unkritisch übernommen werden, sondern sind einer stetigen Überprüfung zu unterziehen.

Daher dient diese Beschreibung als Baukasten, aus dem die Methode gezogen werden kann, die für den konkreten Fall passt.

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